Get The Balance Right

Get The Balance Right

8. Juni 2019 1 Von C2

Einsame Seen, der Pazifik mitsamt Walen und Delphinen, Wälder mit uralten Baumgiganten, Bären, Berge und die Wildnis: Ja, all das und mehr gibt es auf unserer wunderschönen neuen Heimatinsel. Gesehen haben wir davon in unseren ersten 10.080 Minuten hier noch wenig bis nichts. Denn die erste Woche auf Vancouver Island war vor allem geprägt von

  • Ankommen.
  • Zurechtfinden.
  • Einkaufen.
  • Jetlag überstehen.
  • Arbeiten.
  • Dinge erledigen.
  • Dinge erledigen.
  • Dinge erledigen.

Und auch wenn immer noch – ja genau – viele Dinge erledigt werden müssen, sieht unsere Liste der abgehakten Aufgaben gar nicht so schlecht aus. Innerhalb von sieben Tagen haben wir:

  • zwei Bankkonten eröffnet.
  • zwei Mobilfunkverträge abgeschlossen.
  • zwei Sozialversicherungsnummern (SIN) erhalten (ganz, ganz, ganz wichtig hier).
  • die allgemeine Krankenversicherung Health Care beantragt (die bekommen alle, je nach Einkommen zu zweit für zwischen 10 und 50 Euro im Monat. Ab 1. Januar 2020 zahlen alle dafür – nichts!).
  • ein Auto gemietet.
  • eine Maklerin getroffen (anders als in Deutschland sucht man sich nur eine*n davon. Unsere Shannon zeigt uns jetzt Unterkünfte. Dafür bekommt sie, falls wir uns für eine entscheiden, Geld vom Verkäufer).
  • eine Mortgage Brokerin getroffen (die hilft, einen möglichen Kauf zu finanzieren, indem sie die Banken abklappert. Von denen wird sie auch bezahlt).
  • zehn Häuser/Condos besichtigt.
  • ein Newcomer Welcome Center besucht, das Immigrant*innen beim Einleben hilft.
  • den Airbnb-Aufenthalt um zwei Monate verlängert.
  • eine Schufa-Auskunft in Deutschland beantragt.
  • eine Übersetzerin beauftragt.
  • zu früh auf der Führerschein-Behörde gewesen.
  • und immerhin per Fahrrad die Stadt erkundet.

Das altehrwürdige Empress-Hotel von Victoria – da gibt’s Afternoon Tea!

Das ist aber längst nicht alles, denn wir haben jede Menge herausgefunden, gelernt und gesehen:

  • Die Kanadier*innen sind immer noch wahnsinnig freundlich. Da bietet dann zum Beispiel die Maklerin Shannon explizit als „serious offer“ an, vorübergehend bei ihr zu wohnen, falls wir nichts finden. Und unser Airbnb-Host Charlotte will an unserem Küchentisch ihre große Vancouver-Island-Karte ausklappen und uns die Vorzüge verschiedener Wohngegenden näherbringen.
  • Das Tempo im Alltag ist sehr laid-back: An der Supermarktkasse geht es gemächlich zu, auf der Straße hupt niemand und an Bushaltestellen stehen alle brav Schlange.
  • Es ist viel angenehmer, wenn alles informell abläuft und niemand sich mit dem Nachnamen vorstellt. Unser Bankbeamter heißt Danny, die Mortgage Brokerin Liz und die für die SIN zuständige Behördenmitarbeiterin Catherine.
  • Mieten ist hier schwierig. Es gibt wenig Auswahl, die ist teuer, und wenn man Pech hat, bekommt man nach kurzer Zeit eine Kündigung. Kaufen ist die wesentlich bessere Option (aber auch riskanter).
  • Es ist spannend und toll, wenn die Menschen rundherum aus allen Teilen der Welt kommen und ein Accent ganz normal ist.
  • Mit einer kanadischen Visakarte kann man Punkte sammeln und billiger ins Kino gehen. Oder beim Reisen Geld sparen.
  • Es ist keine gute Idee, Geld einfach von einem deutschen auf ein kanadisches Konto zu überweisen. Die Banken kassieren über einen miesen Umrechnungskurs viel Geld. Zum Glück haben wir das nicht gemacht und vorher herausgefunden, dass der Dienst Transferwise viel billiger, besser und schneller ist.
  • Die Supermärkte hier sind nicht nur ein Veganparadies – was es nicht alles gibt! Viele haben auch oft große Unverpackt-Abteilungen, wo man sich Nüsse, Linsen, Bohnen und alles mögliche selbst abfüllen kann.
  • In den Häusern hier gibt´s coole Features: begehbare Kleiderschränke sind Standard (und viel besser als ein Schrank!), crawl spaces sind Keller, in denen man nur gebückt gehen kann, aber jede Menge Platz hat, und fast jedes Haus/Condo hat einen (elektrischen) Kamin.

Veganparadies …
… und vieles unverpackt.

Gar nicht übel für die kurze Zeit. Aber es sind noch zwei entscheidende Fragen offen:

  • Wo wollen wir wohnen, wenn wir doch überall hin können auf der schönen Insel? Am Rand des hübschen Städtchens Victoria, oder doch lieber in der Einöde mit Blick aufs Meer? (Pro Victoria: Fahrradentfernung, essen gehen, Theater, Kino, vielleicht kein Auto notwendig. Pro Einöde: Natur. Natur. Natur. Billiger.
  • Sollen wir ein Haus kaufen? Oder doch lieber mieten?

Schauen wir mal, dann finden wir´s schon raus, sagt C1 gerne. Wir müssen bloß die richtige Balance finden zwischen eins nach dem anderen erledigen, einleben, uns nicht überfordern und uns Zeit geben.

Martin Gore hat dazu wie immer passende Lyrics im Angebot:

Push to the left, back to the right
Twist and turn ‚til you’ve got it right 
Get the balance right.