O Canada

O Canada

30. Juni 2019 0 Von C2

O Canada, O Canada: Am 1. Juli feierst du Geburtstag mit Feuerwerken, Festen, Bands und allerhand Skurrilem – zum Beispiel einem Taxiboot-Ballett im Hafen von Victoria. B.C.

Wie passend, dass wir genau zum Canada-Day seit vier Wochen auf der Insel und im Land sind. So viele Eindrücke, so viele Erlebnisse, so viele Erkenntnisse in 30 Tagen. Wir haben 1000 Dinge gelernt, hier eine Auswahl. Von Führerschein bis Ökostrom – et voilà:

In manchen Supermärkten gibt´s Gratisobst für Kinder.

Ebenfalls möglich: Wasser abfüllen beim Einkaufen.

  • Wer eine Sozialversicherungsnummer beantragt, wird nach dem Geschlecht gefragt: female, male, other oder not specified. Ganz einfach, ganz unkompliziert.
  • Alle Fahradfahrer*innen müssen einen Helm tragen.
  • Alle Bürger*innen bekommen healthcare, für den Antrag reichen ein paar Klicks im Internet. Wie viel man zahlt, hängt vom Einkommen ab. Für uns werden zu zweit (!) 75 CAD fällig. 50 Euro. Im Monat. Zu zweit.
  • Mit einem deutschen Führerschein darf man hier nur drei Monate fahren, dann muss er gegen einen kanadischen eingetauscht werden.
  • Dazu wird ein Foto aufgenommen, man unterschreibt, und fertig. Dachten wir.

  • Denn dann kam der Sehtest. Wir mussten fünf Minuten auf einen Bildschirm starren, Zahlen vorlesen und flackernde Punkte identifizieren. Ups. Aber offenbar meisterten wir die Aufgabe. Die übrigens Pflicht ist für alle Führerscheinbesitzer*innen – und zwar alle fünf Jahre, wenn die driver´s licence erneuert werden muss.
  • Aber damit hatten wir es noch immer nicht geschafft. Denn nun folgte ebenso unverhofft eine Mini-Theorieprüfung. Fünf Fragen zu typischen Verkehrssituationen, die still gelesen und (einzeln) laut beantwortet werden sollten. Ähm, oh. Nach einigem Herumstottern kamen uns beiden irgendwelche Lösungen in den Sinn, die allerdings sehr unterschiedlich ausfielen. Die Fragen waren gleich. Frage 1 beantwortete C1 mit 10 Sekunden, C2 mit 5 Autolängen. Ging beides durch. „You did quite well“, war die (typisch kanadische) höfliche Auskunft. Es schien gereicht zu haben.
Hilfe, ein Therorietest im ICBC-Büro aka Führerscheinstelle. Der Canada-Day stand kurz bevor, was nicht zu übersehen ist.

Wer einen Führerschein hat, fährt womöglich ein Auto. Aber was, wenn´s kaputt ist? Die Greater Library of Victoria hat interessanterweise dazu einen kleinen Videokurs prominent auf ihrer Homepage. Genau wie einen zum Reparieren von kleinen Motoren.

Das ist nicht alles, denn mit der Library-Karte gibt´s so vieles einfach so, umsonst:

  • Wir dürfen nicht nur Bücher, DVDs, CDs, Hörbücher in der Bücherei ausleihen.
  • Wir können auf der Webseite auch Filme, Serien und Musik streamen, Ebooks und Audiobooks downloaden, Zeitungen und Magazine aus aller Welt lesen, Games spielen und an Hunderten E-Learning-Kursen bei Lynda.com teilnehmen. Alles gratis.

Für all das hatten wir allerdings noch keine Zeit. Denn es gibt und gab ja eine Menge zu klären. Zum Beispiel:

Read! And watch, learn, listen – and so much more in der Victoria Library.
Oh Canada! (kurz vor dem Canada Day).
  • Wie kommen wir hier an Ökostrom, wenn wir unser Haus gefunden haben?
  • Ergebnis: nicht nötig.
  • Denn 95 % des Stroms in British Columbia stammt aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Wasserkraft von Flüssen.

Wenn das so ist, ist ein E-Auto für uns erst recht die bessere Wahl gegenüber einem Benziner, falls wir womöglich (und leider) doch ein Auto brauchen.

  • Wer sich aktuell ein E-Auto zulegt, bekommt 8000 CAD Förderung von federal und provincial government, also ca. 5400 Euro. Bis vor zwei Wochen waren es sogar noch 10.000 CAD.

Und die Moral von der Geschicht: Wir sind nicht am schlechtesten Ort der Welt gelandet – mal abgesehen von der wunderschönen Natur und den freundlichen KanadierInnen. Fortsetzung folgt.

P.S.: Auch hier läuft natürlich nicht alles rund. Züge und sonstige Bahnen gibt es nicht. Immerhin fahren Busse, aber außerhalb der Stadt nicht ständig. Und dass es Ökostrom gibt, heißt nicht immer unbedingt, dass er natur- und menschenfreundlich ist: In einem Tal auf dem Festland sollen trotz massiver Proteste ein Damm gebaut und ein größeres Gebiet geflutet werden, wovon neben der Natur auch Indiginous People betroffen wären. Aber trotzdem: 95 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, das ist großartig.