Cars

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10. August 2019 0 Von C2

Wir haben jetzt eine Bären-Eskorte. Ein Tier befindet sich vor uns, eines hinter uns, jedenfalls, wenn wir in unserem Fahrzeug unterwegs sind. Denn seit dieser Woche sind wir wieder Autobesitzerinnen, leider. Was das mit Prinzessin Diana zu tun hat? Abwarten.

Eigentlich wollten wir gar kein Auto mehr fahren. In München kamen wir prima ohne aus, mit Rad, Zug, Carsharing und ÖPNV war überhaupt keins notwendig. Hier sieht das anders aus. Wenn wir in drei Wochen nach Sooke ziehen werden, kommen wir nicht mehr so leicht von A nach B. Zwar fährt ein Bus nach Victoria, und unsere Fahrräder haben wir auch dabei. Aber das reicht nicht aus, um zu anderen Orten auf der Insel zu gelangen, denn Züge gibt es hier nicht (mehr).

Der Leaf auf der grünen Insel

Also musste ein Auto her. Für uns war klar: Elektro oder gar nicht. Damit kommt unser Gewissen besser klar als mit einem Benziner oder Diesel. Zumal der Strom hier in British Columbia zu 95 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Ladestationen gibt es in Greater Victoria im Verhältnis etwas weniger als in München – 100 hier bei ca. 380.000 Einwohner*innen, 450 dort bei 1,55 Millionen Menschen.

Nach drei Probefahrten bei Hyundai, Kia und Nissan entschieden wir uns für einen Nissan Leaf. Wie passend, dass das Auto mit dem Blatt im Namen ausgerechnet auf der rundum grünen Insel weit verbreitet ist. Allerdings sind die Lieferzeiten lang, wir bekommen es wahrscheinlich erst um Weihnachten herum.

An den monatelangen Wartezeiten für Elektrofahrzeuge in Kanada ist übrigens ein gewisser amerikanischer Präsident schuld, erzählte uns unser Autoverkäufer Peter. Die für Kanada bestimmten Leafs werden in den USA gefertigt. Wegen der Zollpolitik des genannten Herren ist es für die Autohersteller aber profitabler, die Wagen nach Europa zu verschiffen, statt sie nach Kanada zu bringen. Und das, obwohl es in Großbritannien ebenfalls eine Nissan-Fabrik gibt.

Zwei Leafs – ein Modell wie das linke gehört bald uns (vielleicht in einer anderen Farbe).

Für die Wartezeit machte uns Peter ein faires Angebot: Wir kaufen ein gebrauchtes Auto, das uns Nissan garantiert wieder abkauft, wenn der Leaf da ist. Der Händler zieht für jeden Monat, den wir den Sentra fahren, 450 Dollar von der Verkaufs-/Ankaufsumme ab. Das Auto kostet uns also 450 Dollar pro Monat. Das ist nur ungefähr ein Drittel dessen, was wir im selben Zeitraum für einen Mietwagen zahlen müssten.

Übrigens handelt es sich um eine echte Rarität – nämlich um einen Wagen mit Gangschaltung. Die gibt es hier sehr selten, 95 Prozent haben ein Automatikgetriebe. Weswegen der Sentra schon eine Weile auf dem Hof stand – bis endlich zwei Europäerinnen vorbeikamen, denen es egal war, ob das Auto einen „stick“ hat oder nicht.

Gratisladung und ewiges Nummernschild

Es gibt viele Dinge rund ums Auto, die hier ganz anders sind als in Deutschland:

  • Bis auf die Schnellladestationen dürfen fast alle E-Tankstellen gratis genutzt werden. Das heißt, eine Batterieladung kostet dort – genau: nichts. Zum Vergleich: In München kostet eine volle Ladung für den Leaf zwischen zehn und 15 Euro.
  • Wir bekommen zum E-Auto-Kauf 8000 Dollar Zuschuss von British Columbia bzw. Kanada, ca. 5400 Euro. In Deutschland sind es 4000 Euro.
  • Ein Nummernschild gehört zu den Halter*innen, nicht zum Auto. Das heißt, wir werden unser Kennzeichen behalten, egal, welches Auto wir fahren.
  • Auf allen Kennzeichen steht „Beautiful British Columbia“. Wir hatten die Wahl zwischen einem einfachen weißen Schild oder einem mit Farbmotiv von Bergen oder Bären. Die kosten 50 Dollar pro Jahr extra, aber damit unterstützt man die Nationalparks in B.C. Eh klar, für was wir uns entschieden haben – und so fahren wir jetzt mit zwei Bären herum. Genauer mit zwei Kermode- oder Geisterbären, die es nur in B.C. gibt, aber nicht auf der Insel.
Nummernschild mit Bär.
Interims-Auto.
  • Die Autoversicherung in B.C. ist staatlich. Es gibt nur eine Gesellschaft, ICBC – und die stellen auch die Führerscheine aus. Die Versicherung ist sehr viel teurer als in Deutschland, wir zahlen zu zweit knapp 1800 Dollar pro Jahr, also 1.200 Euro – inklusive Bärenschild. Dafür werden immerhin weder Steuer noch TÜV fällig. Darin enthalten ist schon ein Rabatt von 25 Prozent, weil wir eine Bescheinigung der deutschen Versicherung vorlegen konnten, dass wir unfallfrei gefahren sind.
  • Weil hier kein TÜV existiert, wird auch keine TÜV-Plakette vergeben. Dafür klebt ein anderer Sticker auf dem Nummernschild. Der gibt Auskunft darüber, ob das Auto versichert ist – und wenn ja, wie lange noch. Diese Plakette muss jedes Jahr erneuert werden.
  • Fahrzeugschein und -brief gibt es nicht. Im Auto muss nur eine Bescheinigung liegen, dass das Auto versichert und lizenziert ist.
  • In vielen Autohäusern sitzen Versicherungsmakler. Wie praktisch und wie unkompliziert: Wir kauften das Auto, dann gingen wir zehn Meter weiter zum nächsten Schreibtisch. Hana, die Maklerin, hatte zehn Schilder in der Tasche, aus denen wir auswählen konnten. Peter, der Autoverkäufer, befestigte sie gleich am Auto – zack, erledigt, einsteigen, wegfahren.
  • Zu unserem gebrauchten Interims-Auto Nissan Sentra haben wir dessen „history“ erhalten – in einer Mappe nicht nur mit Rechnungen und Reparaturen. Wir wissen jetzt auch, dass der Wagen einem „middle-aged couple“ gehörte, das damit immer zur Arbeit und einmal gegen ein Reh fuhr und es später gegen einen Nissan Infiniti Q50 eintauschte.
Genau – an uns!
Das Deckblatt der „history“ unseres gebrauchten Autos.

Wir freuen uns schon darauf, auch bald „history“ in diesem Auto-Lebenslauf zu sein und den Wagen gegen den Leaf einzutauschen. Mitnehmen werden wir unsere schönen Bärenschilder mit der Buchstaben-/ Zahlenkombi PD897N.

Wir wissen ja nicht, welche Assoziationen die bei Euch hervorruft, wir jedenfalls mussten ziemlich schnell an die Prinzessin von Wales denken: „Princess Diana, August (8) 1997 night“. Genau, da war was. Jetzt hoffen wir nur, dass das kein schlechtes Omen ist … Ansonsten überlegen wir uns wohl besser eine neue Eselsbrücke.