Precious

Precious

29. September 2019 1 Von C2

Was haben wir für ein Glück – in das in so vielerlei Hinsicht:

  • Wir leben in einem wunderschönen Teil der Welt.
  • Wir sind hier willkommen.
  • Wir erleben die Auswirkungen des Klimawandels hier noch nicht.
  • Wir leben nicht in einer totalitären Welt wie in Gilead aus Margaret Atwoods „Handmaid’s Tale“.

Und genau von diesen Themen war auch die vergangene Woche geprägt:

Margaret Atwood und die Hoffnung

Margaret Atwood ist nicht nur eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Sie ist auch eine, die ein Anliegen hat und öffentlich ihre Meinung sagt. Das tat sie auch bei ihrem Besuch in der University of Victoria. Eigentlich wären wir nicht dabei gewesen, denn die Lesung der 79-Jährigen war schon lange ausverkauft. Aber C2 wollte Margaret Atwood unbedingt live erleben, seit sie in den 1990ern das erste Mal über die dystopische Gesellschaft Gilead in „Handmaid’s Tale“ gelesen hatte. Also suchte sie nach der Person, die ihr die Tickets geben würde – natürlich ganz legal. Und sie fand sie in Calgary – danke, Internet, und danke, Janelle. Wir waren also dabei – und sogar in Reihe 4!

Im Ticket für die Lesung inklusive: das neue Buch.

Margaret Atwood liest aus ihren „Testaments“.

Was für ein Geschenk, an diesem Abend an diesem Ort gewesen zu sein. Und wie wortgewandt, spritzig und witzig Frau Atwood ist – es war eine Freude, ihr zuzuhören. Sie las an diesem Abend nicht nur aus ihrem „Handmaid’s Tale“-Nachfolger „The Testaments“, sondern auch aus der Hand der fabelhaften Moderatorin Shelagh Rodgers.

In ihrer kurzweiligen Unterhaltung ging es um viele aktuelle Themen. Die Realität hat das Buch ja schließlich seit einer Weile eingeholt. Damit es nicht noch schlimmer wird, hatte die kanadische Autorin einen Rat für das Publikum: Bei der anstehenden Parlamentswahl im Land solle man keine Partei wählen, die den menschengemachten Klimawandel leugne oder halbherzige Versprechungen mache – sondern diejenigen, die wenigstens versuchen wollten, die Krise zu lösen. Klar, dass sie die „Fridays For Future“-Streiks unterstützt: „Das ist es, was mir Hoffnung gibt: Dass die Jugend so entschlossen ist und für ihre Zukunft auf die Straße geht.“


20.000 für eine lebenswerte Welt

Besser hätten wir die Sache mit der Hoffnung nicht sagen können. Deshalb war es uns wichtig, gemeinsam mit den Jugendlichen beim Global Climate Strike zu demonstrieren. 20.000 Menschen waren im kleinen Victoria auf der Straße und forderten die Politik auf, endlich zu handeln – das ist ein Viertel der Bevölkerung der Stadt!

Ignorance ends now.
The planet is on fucking fire.
Powered by plants. Act now.
A better world is possible.

Solidarity with youth.
More sanity. More humanity.

Natur schützen im Wald

„Act now“ haben wir am nächsten Tag in die Tat umgesetzt: Auch diese Woche waren wir als volunteers für Umweltschutz unterwegs. Mit 20 Mitstreiter*innen aus dem „Greater Victoria Green Team“ und dem „Habitat Acquisition Trust“ wollten wir ein Stück Regenwald von Unkraut befreien. Der nicht-einheimische scotch broom (Besenginster) verdrängt im „Sooke Potholes Provincial Park“ andere Pflanzen und erhöht noch dazu die Waldbrandgefahr.

Um dorthin zu kommen, mussten wir zuerst auf einem verschlungenen Waldweg zu einem einsamen Haus fahren. Von dort aus wanderten wir ein ganzes Stück in die Wildnis. Genauer: über Wurzeln, Stock und Stein zu einem abgelegenen Stück Regenwald. Dieses Gebiet ist geschützt, es gibt keine offiziellen Wege und darum auch keine Spuren von Menschen. Dafür aber von Tieren.

Über Stock und Stein in einem alten und fast unberührten Wald.
German Kraut gegen kanadisches Unkraut.
Wir hätten’s übersehen, aber der Experte wusste: Diese Stelle hat kurz zuvor ein Puma markiert.
C2 bereit zum Kampf gegen scotch broom.
Das einzige Zeichen von Zivilisation: eine wackelige Holzbrücke mit der Aufschritt „At your own risk“.

So nah wohnen wir also an der Wildnis. Wow. Schon ein paar Meter nach dem Start fühlten wir uns fernab der Zivilisation. In der Gegend wimmelt es übrigens vor Bären und Pumas, und auch Wölfe kommen manchmal vorbei. Wir haben sie alle verpasst – das war unsere Schuld, denn als einzige hatten wir beide unsere Bärenglöckchen dabei. Eine gute Idee, fanden die erfahrenen und vergesslichen Unkrautbekämpfer*innen.

Dass die Tiere nicht weit waren, zeigte uns ein Hund: Er lief zielstrebig zu einer Stelle, die für uns ganz unscheinbar aussah. Sein Herrchen, ein kundiger Spurenleser, wusste sofort, was dort passiert war: Zwei Pumas hatten einen Baumstamm frisch markiert. Rund um diesen Ort rupften wir dann Unkraut. Einen wichtigen Tipp haben wir uns zu Herzen genommen – und beim Arbeiten immer mal wieder hoch und ins Gebüsch geschaut, ob wir vielleicht beobachtet werden … Allein aufs Waldklo gehen war natürlich auch nicht drin: Eine von uns musste Wache stehen und fleißig das Bärenglöckchen läuten.

In der Arbeitspause vor der Stelle, die der Puma markiert hatte.

Auf der anderen Seite: das Meer

Und dann ist da ja noch das Meer direkt vor unserer Nase. Wir haben diese Woche noch einen schönen Weg in Sooke entdeckt: Ein Holzsteg führt von einem Park durch den Wald bis ans und übers Meer.

Auf einem Holzsteg geht es durch den Wald …

… bis ins Meer.


Sooke begrüßt uns

Wie schön, dass wir an diesem herrlichen Ort willkommen sind. Das hat uns in der vergangenen Woche mal wieder jemand gesagt – Judy vom „Welcome Wagon“. Das ist eine 1928 gegründete Institution in den USA und Kanada, die Neuankömmlinge in einer Stadt begrüßt. So kam Judy zu uns, eine Einwohnerin von Sooke . Die Ex-Britin übergab uns Broschüren, Landkarten, Flyer, Coupons von Läden und einen welcome letter der Bürgermeisterin der Stadt, Maja Tait.

Außerdem hatte sie zahlreiche Empfehlungen für uns, zum Beispiel Ausflugs- und Restaurant-Tipps, den besten Zahnarzt und welcher der vier Chöre der Stadt was singt. Einen Geheimtipp verriet sie uns auch noch: Ein Gitarrist, dessen Eltern in Sooke leben, kommt jedes Jahr zu Thanksgiving nach Hause und bringt eine*n renommierten Gastmusiker*in mit. Zusammen geben sie dann ein Konzert im Wohnzimmer der Eltern – vor nur 30 Besucher*innen. Dank Judy gehören wir diesmal auch dazu. Stay tuned.

Das war Judys Willkommenspaket.
So begrüßte uns die Bürgermeisterin von Sooke.