Ocean

Ocean

5. Oktober 2019 1 Von C2

Manchmal müssen wir uns kneifen. Ist es wirklich wahr? Sind wir wirklich hier, in British Columbia? Leben wir tatsächlich auf Vancouver Island, auf dieser Insel mit der atemberaubenden Natur? Dann und wann fühlt es sich an, als seien wir in einer Art Paradies gelandet. Und wir müssen es noch nicht einmal nach zwei bis drei Wochen wieder verlassen, sondern wir können so lange bleiben, wie wir möchten.

Aber wohl jedes Paradies hat auch seine Schattenseiten.

French, China, Mystic, Botanic

Fangen wir mal mit den guten Seiten an. Beinah alle, denen wir erzählen, dass wir ins Sooke leben, sagen sofort: „Amazing!“ Und dann fragen sie: „Have you been to French Beach, China Beach, Mystic Beach, Botanical Beach?“ Traumhaft seien diese Strände und alle ganz unterschiedlich – man beneide uns, dass wir sie ganz in unsere Nähe hätten.

Seit heute können wir endlich ein „Yes!“ entgegnen. Denn zu einem der Strände haben wir es endlich geschafft: zum 1,6 Kilometer langen French Beach. Angeblich ist er der Unspektakulärste der vier – aber hey, wie umwerfend müssen dann erst die anderen drei sein? Kaum zu fassen, dass dieser Strand nur 20 Minuten von unserem Wohnort entfernt liegt und wir theoretisch jeden Tag dort sein könnten.

Für uns bemerkenswert: Natur hier ist wirklich Natur. Zum Glück! Auch bei Sehenswürdigkeiten wie dem French Beach. Kiosk, Imbissbude, Bootsverleih, Biergarten, Hotel? Fehlanzeige. Außer Meer und Strand sind hier nur Parkplatz, Infotafel und Plumpsklo.

Blick auf den Juan de Fuca Strait.
French Beach in die eine Richtung …
… und in die andere.
Wald, Steine, Wasser und C1.
Typisch für die Strände hier: Treibholz.
Wanderin über dem Wolkenmeer (Hommage an Caspar David Friedrich).
We like.
„Unspektakulärer“ Strand an der West Coast.

Shirleys berühmtester Ort

Wer nach der Wanderung über Stamm und Stein irgendwo einkehren will, muss zurück zur Hauptstraße. Ein paar Kilometer zurück Richtung Sooke liegt ein weiterer, heute neu entdeckter Lieblingsort: Shirley Delicious. Benannt ist er nicht nach einer Frau, sondern nach dem Dorf, in dem es steht: Shirley. Die Häuser liegen weit verstreut im Wald, der Kern besteht nur aus einem Feuerwehrhaus, einer „Community Hall“, einer Steinofenpizzeria – und eben Shirley Delicious.

Das ist ein kleines, alternatives Kult-Café mit Bäckerei. Und weil das hier eine grüne Insel ist, gibt es dort auch diverse vegane Essens- und Trink-Optionen. Auf die Frage, ob sie auch eine Pflanzenmilch haben, kam die Antwort: „Of course! Oat, almond or soy?“ Wie schön – in einem Café im gefühlten Nirgendwo ist das Angebot größer als in vielen Großstadtcafés in Deutschland. Den Besuch bei Shirley Delicious hat sogar die „New York Times“ schon empfohlen.

Kultcafé im Nirgendwo.
Shirley Delicious unterstützt nicht nur lokale Farmer, sondern auch lokale Künstler.

Leuchtturm am Friedhof des Pazifiks

Von Shirley Delicious aus ist es nur ein kleines Stück bis zu einem weiteren Ort mit traumhaftem Ausblick: dem historischen Sheringham Point Lighthouse von 1912. Der wurde errichtet, weil am Juan de Fuca Strait so viele Schiffe auf Grund liefen. Die Gegend hatte deshalb den Beinamen „Graveyard of the Pacific“.

Andere Perspektive vom Juan de Fuca Strait.
Sheringham Point Lighthouse.

The „Big One“

Und trotzdem ist da auch noch die Schattenseite des Paradieses. Wir leben hier in einer erdbebengefährdeten Zone. Und nicht nur das. Vor der Westküste Vancouver Islands schiebt sich die Juan-de-Fuca-Platte unter die Kontinentalplatte Nordamerikas. Alle paar hundert Jahre kommt es dort zu einem schweren Erdbeben mit einer Stärke von 7,8 bis 9 auf der Richterskala. Das letzte große war 1700, und das nächste ist eigentlich überfällig. Dass „The Big One“ früher oder später kommt, ist sicher. Nur wann, das weiß niemand. In 500 Jahren oder doch schon morgen?

Wissenschaftler*innen erwarten es mit einer Wahrscheinlichkeit zwischen 10 und 30 Prozent innerhalb der nächsten 50 Jahre. Das ist nicht alles: Einen Tsunami wird es dann mit 100%iger Sicherheit ebenfalls geben.

Was man da machen kann: nicht viel. Aber zumindest vorbereitet sein. Die Behörden raten, sich so auszurüsten, dass man zur Not drei Tage draußen überstehen kann, falls die ganze Infrastruktur zusammenbricht. Also haben wir uns zwei 72-Stunden-Notfallrucksäcke zugelegt, die wir, soweit möglich, immer griffbereit haben.

Einer unserer zwei Survival-Rucksäcke mit Inhalt.

Und das ist drin:

Food

  • 1 pack of emergency food ration per person. Non-GMO, vegetarian and nut-free.
  • Tested to withstand temperatures from -30°C to 65°C.
  • Each vacuum sealed pouch contains 9 individually wrapped bars which contain 400 calories each. 
  • Non-thirst Provoking.
  • US Coast Guard approved.
  • Resealable for ease of dispersing and to keep unfinished rations stored without being exposed to contaminants.

Water

  • 12 packs of emergency water per person.
  • Able to withstand increased external applied pressure.
  • Lightweight and extremely compact.

Shelter

  • Extra Large Thermal Blanket – Thermal Protection (90% body heat retention).
  • Ground cover.
  • Emergency Signaling Device.
  • Waterproof & Windproof
  • Dimensions: 210.0 cm x 160 cm. (81.7 in. x 63.0 in.)

Hooded Rain Poncho

  • Ultra-Lightweight, compact and reusable.
  • Dimension: 127.0 cm x 132.1 cm x 203.2 cm (50.0 in. x 52.0 in. x 80 in.)

Lighting

  • LED Dynamo Flashlight, 100hrs Built-In.
  • Lightweight with Wrist Strap for easy carrying.

Radio

  • Portable pocket size radio.
  • Light and easy to carry around.
  • Built-in speaker and supports headphones via (3.5mm) jack socket.
  • An essential item to have in any emergency kit to receive up-to-date emergency broadcasts.

First Aid

  • 37 pieces.

Search and Rescue

  • Aluminum Alloy Emergency Whistle.
  • Super loud clear tone.

Dust Masks

  • Prevention for the inhalation of airborne particles.
  • Prevent inhalation of contaminants released into the air.
  • Pleated earloop masks with a filter.

Vinyl Glove 

Tissue Pack

Water resistant Backpack

Bis die Erde dann heftigst bebt – so sie das zu unseren Lebzeiten tut – erforschen wir weiter unser Paradies vor der Haustür.