Electricity

Electricity

12. Oktober 2019 1 Von C2

Unsere Woche war elektrisch – in mehrfacher Hinsicht. Es ging um technische Upgrades, Nervenkitzel inklusive.

Aber hey, wir wohnen auf einer entspannten Insel. Wenn es mal zu aufregend sein sollte (dazu gleich mehr), dann geht man eben zum Meer und schaut Robben beim Spielen und der Sonne beim Untergehen zu.

Hard not to have a nice evening

Ein älterer Hippie-Opa, den wir diese Woche beim Spaziergang am Whiffin Spit trafen, drückte das sehr schön aus. Nach einer netten Plauderei über seinen Hund wünschten wir ihm einen schönen Abend. Er tat dasselbe – und ergänzte mit Blick auf den Ausblick: „It’s hard not to have a nice evening on a place like this.“ Indeed:

Abendhimmel über Sooke.
Der Abendsonne entgegen.
Der Himmel über der Juan de la Fuca Strait.
Robbe spielt mit Möwe.
Hippie mit Hund.

Problem: XXL-Geräte in XXS-Schrank

Zurück zum Nervenkitzel – weniger für uns als für zwei Installateure. Alles begann mit dem House Inspector Jan, der sich unser Haus vor dem Kauf angesehen hatte. Er empfahl uns dringend, den Plastik-Zulaufschlauch der Waschmaschine auszutauschen. Sollte er platzen, stehe das Haus unter Wasser. Jan riet uns, ihn durch einen Metallschlauch zu ersetzen, den bekomme man in jedem Baumarkt. Alles easy.

Problem 1: Wie sollen wir an den Schlauch rankommen? Denn oben auf der Waschmaschine befindet sich noch ein Trockner. Und beide Maschinen stehen nicht neben-, sondern aufeinander gestapelt in einem engen Schrank. Und wenn wir schreiben „eng“, dann meinen wir auch wirklich, richtig eng.

Der Türrahmen des Waschmaschinen-Trockner-Schranks misst 27 Zoll. Die Maschinen auch. Sich an ihnen vorbeizuquetschen und an den Schlauch heranzukommen: unmöglich. Die beiden Maschinen hervorziehen? Viel zu schwer, viel zu eng. Kein Wunder: Passend zum großen Land sind auch die Haushaltsgeräte eine Nummer größer – aber die dazugehörigen Schränke bei uns komischerweise nicht.

Eine Minute Stille und Ratlosigkeit

Ha, dachten wir uns! Es stand sowieso ein Klempnerbesuch an, der Mann kann das doch erledigen. Der Klempner kam also, öffnete die Tür – und sagte nichts. Nach einer Minute Stille sprach er wieder. So etwas habe er noch nie gesehen. „That’s not a job I can do in five minutes. That’s a real job“. Er müsse einen Kollegen mitbringen, und die Arbeit würde dauern – und uns mindestens 150 Dollar kosten. Oh.

Wir winkten ab. Denn die beiden Maschinen sind zehn Jahre alt, und damit haben sie sich so oft im Kreis gedreht, dass sie sowieso bald am Ende sind. Das Internet wusste: Diese Modelle halten erfahrungsgemäß so lange, wie unsere Geräte alt sind. Dazu kam eine neue Herausforderung.

XXL-Geräte im Minischrank.

Problem 2: Wie verstopft ist der Abluftfilter des Trockners? Hat den jemals jemand sauber gemacht, wenn man doch anscheinend nicht drankommt? Das Internet weiß hierzu: einmal pro Jahr reinigen, sonst steigt die Brandgefahr enorm. Allein 17.000mal pro Jahr brennt es in den USA, weil die Trocknerfilter verstopft waren und durch die Hitze Feuer fingen, lasen wir.

Die Lösung der Probleme: Wir legen uns wohl oder übel neue Maschinen zu, bei denen der Metallschlauch von Anfang an dabei ist. Während des Tauschs schauen wir selber nach, wie dreckig das Rohr ist. Wir gingen also zum örtlichen Baumarkt, unserem Lieblingsladen in Sooke und machten alles klar.

Flüche auf Deutsch, wenn man deutsch sprechen könnte

Die beiden Installateure kamen mitsamt der neuen Geräte, sahen – und waren zuversichtlich. Sie hätten schon schwierigeres vor sich gehabt, sagten sie. Der Optimismus schwand allerdings deutlich, je näher die neuen Maschinen dem schmalen Schrank kamen.

Denn am Ziel war es eng, verdammt eng. Die aufeinander gestellten und schon angeschlossenen Geräte standen vor dem Schrank bereit – bewegten sich allerdings nur millimeterweise vorwärts, wenn überhaupt.

Am Ende, zweieinhalb Stunden später, klappte es dann doch – irgendwie und mithilfe eines Gleitmittels, das sie auf den Boden gesprüht hatten. Die beiden waren sichtlich erleichtert. Paul, einer der beiden, ist ein eingewanderter Brite mit entsprechendem Humor. Er sagte trocken: „If I knew any German curses, this would have been the right time to use them.“

Irgendwie erscheinen die neuen Maschinen noch größer als die alten.
Drin!
Mit aller Kraft: Geh. Endlich. Da. Rein.
Uff.

Den Abluftfilter haben wir zwischendrin auch gereinigt – und können das nächstes Jahr von der Außenwand aus machen, mit einer Leiter sowie einer sehr langen und flexiblen Spezialbürste. Immerhin: Weil wir jetzt energieeffizientere Geräte besitzen, bekommen wir einen Zuschuss von BC Hydro, der Elektrizitätsgesellschaft von British Columbia, über 75 Dollar.

Elektroauto-Charger: kein Problem

Gleich 700 Dollar Zuschuss erhält, wer sich eine Ladestation für ein Elektroauto einbauen lässt – so lange noch Geld im Topf ist. Wir haben zwar noch kein Elektroauto, aber dafür jetzt einen EV-Charger an der Wand. Das passende Fahrzeug dazu folgt hoffentlich noch bis Ende des Jahres – bestellt ist es schon. Das klappte problemlos und ohne Nervenkitzel, zu eng war es auch nicht.

Apropos Strom: Wir wissen jederzeit, wann wir wie viel nutzen. Denn im persönlichen Profil auf der BC-Hydro-Webseite können wir zum Beispiel nachsehen: Wie viel Strom haben wir gestern Morgen zwischen 8 und 9 Uhr verbraucht? Wie viel war das im Vergleich zu ebenso großen Häusern in der Umgebung? Oder zum Tag zuvor um dieselbe Zeit? Wie hängt das mit der Außentemperatur zusammen?

Diese Transparenz beim Stromverbrauch und die Zuschüsse haben bei uns das bewirkt, was sie sollen: Wir haben uns energiesparendere Geräte zugelegt – und wir achten noch mehr darauf, nicht unnötig Strom zu zapfen.

Unser Stromverbrauch (hellblau) im Vergleich zu ähnlichen Häusern in der Umgebung.
Stündlicher Stromverbrauch.
Stromverbrauch im Vergleich zur Außentemperatur.